
STUTTGART - Der Beschäftigungsabbau in der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie (M+E) hat sich auch zu Beginn des zweiten Quartals 2026 ungebremst fortgesetzt. Im April gingen weitere 3.100 Arbeitsplätze verloren, seit Jahresbeginn summieren sich die Jobverluste damit auf mehr als 12.000. „Der Standort Deutschland und mit ihm Baden-Württemberg ist im globalen Wettbewerb ins Hintertreffen geraten“, sagte Peter Sebastian Krause, Vorsitzender des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, am Dienstag in Stuttgart: „Das schlägt sich immer mehr auf die Beschäftigung nieder, wir verlieren industrielle Substanz. Es ist daher allerhöchste Zeit, die enormen strukturellen Defizite hierzulande durch mutige, weitreichende politische Reformen endlich konsequent anzugehen. Aber auch die Sozialpartner müssen ihrer Verantwortung nun gerecht werden. Sie können dazu beitragen, dass der Kostendruck, der auf den Unternehmen lastet, sinkt, um so den Standort zu retten.“
Im April waren noch gut 926.000 Menschen in der wichtigsten Industrie des Landes beschäftigt, knapp 83.000 weniger als noch zum Höchststand 2019, als sogar die Millionen-Marke überschritten war. „Wir sehen aktuell den niedrigsten Beschäftigungsstand seit mehr als zehn Jahren und wir müssen wohl davon ausgehen, dass die bereits verlorene Substanz nicht wieder zurückkehren wird“, sagte Krause: „Die Personalpläne der Unternehmen lassen einen weiteren Rückgang erwarten. Die Produktion kommt nach den Rückschlägen in den Vorjahren immer noch nicht vom Fleck, die Fabriken sind nur schwach ausgelastet, die Geschäftserwartungen für die kommenden Monate sind immer noch überwiegend pessimistisch.“
Als wesentlichen Grund für die anhaltende strukturelle Krise sieht der Südwestmetall-Vorsitzende die Kostensituation in Deutschland: „Ob Steuern, Sozialabgaben, Energiepreise oder Arbeits- und Lohnkosten: Wir sind schlicht in allen Bereichen zu teuer und darüber hinaus auch oftmals zu bürokratisch.“ Dies treffe die heimische Industrie ausgerechnet in einer Zeit, in der technologische Umbrüche ohnehin schon immense Anstrengungen und Investitionen erforderten. Zudem habe sich die globale Wettbewerbssituation dramatisch verändert, so Krause: „Andere Länder, allen voran China, haben technologisch enorm aufgeholt, können jedoch unter teils viel günstigeren Rahmenbedingungen produzieren.“ Auch osteuropäische Konkurrenten seien dichter aufgerückt: „Wenn aber eine Arbeitsstunde in Deutschland weiterhin dreieinhalb Mal so teuer ist wie eine Stunde in Polen, stellt sich mehr denn je die Frage: Sind wir auch noch dreieinhalb Mal so gut?“
Umso wichtiger sei es daher, jetzt mit aller Entschiedenheit und klugen Entscheidungen die weitere Erosion zu stoppen, so Krause: „Dabei gilt es insbesondere, den enormen Kostendruck zu senken, damit unsere Industrie hierzulande wieder wettbewerbsfähiger wird und eine Zukunft hat.“ Politische Reformen etwa in der sozialen Sicherung, um den ungebremsten Anstieg der Lohnzusatzkosten zu stoppen, seien dafür unabdingbar: „Aber das reicht nicht aus, wenn sich nicht auch die Sozialpartner, Arbeitgeber und Gewerkschaften sowie die Betriebe und ihre Belegschaften den hausgemachten Kostenproblemen stellen.“
Den vollständigen Bericht zur aktuellen wirtschaftlichen Lage der baden-württembergischen M+E-Industrie finden Sie hier.