30.10.2026

Standortpolitik & Industriepolitik

Jedes zweite Unternehmen der M+E-Industrie in Baden-Württemberg plant Personalabbau

Aktuelle Umfrage: Dramatische Krise der Metall- und Elektroindustrie spitzt sich immer weiter zu

Die Lage der Metall- und Elektroindustrie (M+E) ist extreman gespannt – ganz besonders in Baden-Württemberg: So gehen 51 Prozent der Unternehmen im Südwesten davon aus, im kommenden halben Jahr Personal abbauen zu müssen. Dies geht aus regionalisierten Daten einer Umfrage des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall hervor. Demnach schätzen 38 Prozent der Betriebe in Baden-Württemberg die Geschäftslage als schlecht ein. 26 Prozenterwarten sogar, dass sich die Lage in den kommenden sechs Monaten noch weiter verschlechtert. Besonders besorgniserregend: Fast 53 Prozent derM+E-Unternehmen im Südwesten rechnen in den kommenden drei bis fünf Jahren miteiner Schrumpfung oder gar Schließung ihrer Standorte.

„Dieses Ergebnis ist erschreckend und muss einabsolutes Alarmsignal für uns sein“, warnt Oliver Barta, Hauptgeschäftsführer von Südwestmetall, eindringlich und fordert eine signifikante Kostenreduzierung für Unternehmen. Dies gelte insbesondere, um Wertschöpfungsstrukturen und Arbeitsplätze in Baden-Württemberg zu erhalten. „Die Auftragseingänge stabilisieren sich nur bei einer Minderheit der Unternehmen. Ganz besonders Baden-Württemberg mit seiner Automobil- und Zulieferindustrie steckt immer noch tief in der Krise“, kommentiert Barta die Lage. Zudem wandere immer mehr Produktion an ausländische Standorte, weil nur dort zu international wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen und Kosten produziert werden könne.

Bei mehr als 39 Prozent der Unternehmen in Baden-Württemberg liegen die Neuaufträge unter dem Vorjahr; nur bei 24 Prozent sind diese gestiegen. Gleichzeitig produzieren zwei Drittel der deutschen M+E-Unternehmen ihre Aufträge ganz oder teilweise im Ausland. Tendenz weitersteigend. Mehr als 10.000 M+E-Betriebe in Deutschland schrumpfen, wie Gesamtmetall mitteilt. 1000 Betrieben drohe sogar die Schließung.

„Wir müssen jetzt zügig eine Lösung finden und die Weichen so stellen, dass sich Investitionen in industrielle Arbeitsplätze in Deutschland wirtschaftlich wieder rechnen“, fordert Barta mit Blick auf die laufende Tarifrunde. Hier sei es wichtig, gemeinsame Antworten zu finden, um bestehende Strukturen zu stabilisieren und die Deindustrialisierung zu bremsen.„Es gilt, überall dort, wo dies erforderlich ist, die Kosten pro Arbeitsstunde merklich zu senken“, verdeutlicht Barta einmal mehr in Richtung Gewerkschaft. Ansonsten drohe „ein weiter sich verschärfender personeller Kahlschlag“ an den hiesigen Standorten, warnt er. Bundesweit 25 Prozent aller M+E-Firmen haben für das Jahr 2025 rote Zahlen gemeldet und weitere 21 Prozent eine magere Nettoumsatzrendite von lediglich bis zu zwei Prozent. Für 2026 sieht die Lage ähnlich aus.

Seit dem Höchststand 2019 sind in der M+E-Branchebundesweit bereits 350.000 Jobs verlorengegangen, davon fast 100.000 in Baden-Württemberg. Der Grund: Aufgrund der hohen Kosten am Standort wird hierzulande immer weniger investiert und produziert. Monat für Monat gehen so 10.000 weitere Arbeitsplätze verloren. Die schwerste Krise der M+E-Industrie seit Gründung der Bundesrepublik hält unvermindert an. „Diesen Trend müssen wir unbedingt stoppen“, fordert Barta.  

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