
„Die Metall- und Elektroindustrie in Deutschland und Baden-Württemberg steht massiv unter Druck – und das nicht erst seit gestern. Monat für Monat gehen Tausende Arbeitsplätze verloren“, sagt Peter S. Krause, Vorsitzender von Südwestmetall in Stuttgart. „Angesichts der anhaltenden Unterauslastung ist die Lage für Beschäftigung und Standorte stark angespannt: Im Ifo-Konjunkturtest überwogen im April mit einem Saldo von minus 21 Punkten die Pläne zum Personalabbau in der deutschen M+E-Industrie bereits den 34. Monat in Folge. Das ist die längste Negativphase seit den frühen 2000er Jahren
Zwar sind die Auftragseingänge der baden-württembergischen M+E-Industrie im aktuellen Berichtsmonat März nach Angaben des Statistischen Landesamts um 15,4 Prozent gestiegen. Allerdings spricht vieles dafür, dass sich darin vor allem Vorzieheffekte widerspiegeln – aufgrund erwarteter Preissteigerungen infolge des Irankriegs.
Die Auftragslage bleibt insgesamt schwach. Die Auslastung der M+E-Industrie lag zum Start des zweiten Quartals bundesweit nahezu unverändert bei lediglich 79 Prozent und damit weiterhin deutlich unter dem langjährigen Mittel von 85 Prozent. Gleichzeitig berichten 34 Prozent der Betriebe von Auftragsmangel als Produktionshindernis – ein weiterhin alarmierend hoher Wert.
Auch das vom Ifo-Institut erhobene M+E-Geschäftsklima verharrte im April unverändert im Rezessionsbereich. Währende die aktuelle Lage etwas weniger negativ eingeschätzt wurde, waren die Erwartungen für die kommenden Monate wieder pessimistischer. Die Wettbewerbsposition zu anderen Standorten wird fast unverändert negativ bewertet.
Das Grundproblem besteht unverändert fort: Die internationale Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandorts hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Die Basis für unser Geschäftsmodell ist ins Rutschen geraten. Am heimischen Standort zu produzieren, ist inzwischen so teuer geworden, dass viele Unternehmen hierzulande nicht mehr investieren, ihre Produktion verlagern oder einstellen.
Besonders die hohen Lohnstückkosten stellen viele Betriebe vor große Herausforderungen. Mit Arbeitskosten von 53,76 Euro pro Stunde im vergangenen Jahr liegt die deutsche Metall- und Elektroindustrie deutlich über wichtigen Wettbewerbsstandorten wie den USA, Großbritannien oder weiten Teilen Osteuropas und Asiens.
Gleichzeitig belasten hohe Energiekosten, übermäßige Bürokratie, explodierende Lohnzusatzkosten, kurze Arbeitszeiten und eine insgesamt zu geringe wirtschaftspolitische Dynamik unsere Unternehmen zusätzlich. Das meiste davon liegt in der Verantwortung der Politik – aber nicht alles.
Viele Betriebe stoßen inzwischen an die Grenzen dessen, was sie durch Innovation, Qualität und Produktivitätsfortschritte noch ausgleichen können. Dabei befindet sich die M+E-Industrie gleichzeitig mitten in einer tiefgreifenden Transformation: Neue Technologien, Dekarbonisierung, veränderte Märkte und zunehmender internationaler Wettbewerb verlangen hohe Investitionen und erhebliche Anpassungen der Geschäftsmodelle. Dafür brauchen die Unternehmen finanzielle Spielräume, Planungssicherheit und verlässliche Rahmenbedingungen.
Der Irankrieg und internationale Handelsauseinandersetzungen verschärfen die Situation zusätzlich. Sie sind jedoch nicht die eigentliche Ursache der aktuellen Probleme. Entscheidend ist, dass unser Land bei zentralen Standortfaktoren in den vergangenen Jahren stark an Wettbewerbsfähigkeit verloren hat. Die Unternehmen versuchen die Arbeitsplätze hier zu halten, soweit es eben geht. Aber Gewinneinbrüche oder gar Verluste gefährden die Existenz der Betriebe.
Dabei verfügt unser Land weiterhin über erhebliche Stärken: hoch qualifizierte Beschäftigte, mutige, in der Region verwurzelte Unternehmen, starke industrielle Wertschöpfungsketten, ein gewachsenes Netzwerk aus Clustern und eine in der Regel gut funktionierende Sozialpartnerschaft. Diese Stärken allein reichen aber nicht aus, wenn die Rahmenbedingungen nicht mehr stimmen. Unternehmen investieren dauerhaft nur dort, wo Produktion ökonomisch darstellbar bleibt und Risiken kalkulierbar sind.
Deshalb besteht dringender Handlungsbedarf. Die Kostenbelastung am heimischen Standort muss reduziert werden. Das ist zuvorderst die Aufgabe der Politik, die aber durch kluge tarifpolitische Entscheidungen unterstützt werden muss. In der aktuellen wirtschaftlichen Lage benötigen die Unternehmen Flexibilität und Entlastung. Wenn die M+E-Industrie mit ihren Unternehmen wieder mit der internationalen Konkurrenz mithalten kann, werden die Ideen auch wieder hier bei uns zu neuen Produkten, zukunftsfähigen Geschäftsmodellen und vor allem zukunftssicheren Arbeitsplätzen führen können.“