
Dringender Appell der Arbeitgeber: Südwestmetall fordert die IG Metall zu deutlich mehr Realitätssinn in der bevorstehenden Tarifrunde auf. „Wir müssen die Kosten senken. Daran führt kein Weg vorbei“, sagte der Südwestmetall-Vorsitzende Peter S. Krause am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Stuttgart. Ansonsten drohe ein „verschärfter personeller Kahlschlag“ in der krisengebeutelten Metall- und Elektroindustrie (M+E). Die erste Verhandlungsrunde für Baden-Württemberg ist für den 7. Oktober in Ludwigsburg anberaumt.
Die Forderung der Gewerkschaft nach 5 Prozent mehr Lohn „ist schlicht realitätsfremd und völlig überzogen“, ergänzte Oliver Barta, Hauptgeschäftsführer von Südwestmetall. „Wir befinden uns in einer historisch einmaligen Krisensituation. Wenn wir die Kosten nun noch weiter nach oben treiben, wird sich der Verlust industrieller Substanz im Land immer weiter beschleunigen. Zehntausende zusätzliche Jobs geraten dadurch in Gefahr“, verdeutlichte Barta eindringlich. „Wir brauchen eine spürbare Entlastung – ganz besonders für die Unternehmen, die stark mit der Transformation zu kämpfen haben.“
„Mit der Forderung der IG Metall werden völlig falsche Erwartungen geweckt und wir verlieren aus dem Auge, was nötig ist, um die industrielle Basis in Deutschland zu stärken“, sagte Krause, der Verhandlungsführer der Arbeitgeber bei den anstehenden Tarifverhandlungen in Baden-Württemberg. Die gute Nachricht: „Durch die Tarifpolitik können wir es selbst beeinflussen, ob wir auch zukünftig eine starke Industrie in unserem Land haben werden“, so Krause weiter. Solch gewaltige Lohnsteigerungen wie von der IG Metall gefordert passten definitiv nicht in die aktuelle Zeit, in der immer mehr Wertschöpfung im Inland verlorengeht und immer mehr Betriebe ums Überleben kämpfen.
Bundesweit 25 Prozent aller M+E-Firmen haben für das Jahr 2025 rote Zahlen gemeldet und weitere 21 Prozent eine magere Nettoumsatzrendite von lediglich bis zu 2 Prozent. „Natürlich liegt das nicht nur an den Personalkosten. Diese sind aber einer von mehreren Bausteinen, die die Ertragskraft der Unternehmen beeinflussen. Es muss uns gelingen, dass unsere Unternehmen hier wieder wettbewerbsfähig produzieren können“, stellte der Südwestmetall-Vorsitzende klar. Ziel müsse es sein, Lösungskorridore für Kostensenkungen zu schaffen. „Wir beide, Gewerkschaft und Arbeitgeber, können und müssen jetzt zeigen, dass wir als Tarifvertragsparteien gemeinsam handlungsfähig sind“, appellierte Krause. Dazu gehöre die Pflicht, selbst unter schwierigen Rahmenbedingungen Lösungen zu finden.
„Für die Frage, wo Zukunftsinvestitionen stattfinden, stehen die Personalkosten laut einer Umfrage an erster Stelle“, so der Südwestmetall-Vorsitzende. Zwar seien viele Firmen willens, im Rahmen von Mischkalkulationen auch weiterhin in Deutschland zu entwickeln und zu produzieren. „Wenn der Kostenabstand zu ausländischen Standorten aber zu groß wird, passiert in Zeiten weitgehend aufgezehrter Gewinne genau das, was wir derzeit leider viel zu oft in den Schlagzeilen lesen: Es werden Strukturen verlagert und Arbeitsplätze abgebaut“, verdeutlichte Krause. „Unser gemeinsames Ziel muss es sein, diesen Trend zu stoppen. Die maßgeblichen Stellhebel haben wir in der Hand, wir müssen sie nur richtig nutzen.“
Der Südwesten ist von der aktuellen Krise in der Metall- und Elektroindustrie und von strukturellen Standortdefiziten besonders stark betroffen. Im Juli 2026 waren in der Branche in Baden-Württemberg noch 914.000 Menschen beschäftigt. Das sind rund 95.000 weniger als auf dem Höchststand 2019. 50 Prozent der Unternehmen im Südwesten rechnen mit einer weiter sinkenden Beschäftigung.
Nach belastenden Standortfaktoren gefragt, nennen die baden-württembergischen M+E-Firmen am häufigsten die Arbeitskosten (89 Prozent), gefolgt von Bürokratie und Regulierung (86 Prozent) und der Wirtschaftspolitik und Planungssicherheit (74 Prozent). „Diese Ergebnisse zeigen den dringenden Handlungsbedarf“, sagte Krause abschließend.