
Der Arbeitgeberverband Südwestmetall weist die Tarifforderung der IG Metall Baden-Württemberg in aller Deutlichkeit zurück. „Eine Forderung von 5 Prozent in der jetzigen Zeit macht uns fassungslos. Damit werden völlig falsche Erwartungen geweckt und wir verlieren aus dem Auge, was nötig ist, um die industrielle Basis in Deutschland zu stärken. Durch die Tarifpolitik können wir es selbst beeinflussen, ob wir auch zukünftig eine starke Industrie in unserem Land haben werden – oder eben nicht“, sagte der Südwestmetall-Vorsitzende Peter Sebastian Krause am Dienstag in Stuttgart. Die Gewerkschaft gefährde mit solch maßlosen Lohnforderungen mitten in der Krise zehntausende zusätzliche Arbeitsplätze.
Für die Arbeitgeber stehe bei der diesjährigen Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie mehr als alles andere das Thema „Kosten senken“ und der Erhalt der industriellen Struktur im Fokus. Solch gewaltige Lohnsteigerungen passten nicht in die aktuelle Zeit, in der immer mehr Wertschöpfung im Inland verlorengeht und immer mehr Betriebe ums Überleben kämpfen. „Es muss uns gelingen, dass unsere Unternehmen hier wieder wettbewerbsfähig produzieren können und somit möglichst viele Arbeitsplätze im Land erhalten bleiben“, stellte Krause unmissverständlich klar. Ziel müsse es sein, Lösungskorridore für Kostensenkungen zu schaffen.
Der Südwesten ist von der aktuellen Krise in der Metall- und Elektroindustrie und von strukturellen Standortdefiziten besonders stark betroffen. Allein im Juni waren 5.400 Jobs in der Branche in Baden-Württemberg verlorengegangen. Seit dem Höchststand von 2019 summiert sich der Verlust damit bereits auf rund 90.000 Arbeitsplätze. 50 Prozent der Unternehmen im Südwesten rechnen mit einer weiter sinkenden Beschäftigung. Nach belastenden Standortfaktoren gefragt, nennen die baden-württembergischen M+E-Firmen am häufigsten die Arbeitskosten (89 Prozent), gefolgt von Bürokratie und Regulierung (86 Prozent) und der Wirtschaftspolitik und Planungssicherheit (74 Prozent). „Diese Ergebnisse zeigen den dringenden Handlungsbedarf“, sagte Krause. In der anstehenden Tarifrunde gelte es nun, die schwierige Situation im Blick zu haben und gemeinsam tragfähige Lösungen für die Zukunft des Standorts und der Arbeitsplätze zu entwickeln.