17.07.2026

No items found.

Umfrage: Metall- und Elektroindustrie im Land besonders stark von aktueller Krise und von Standortdefiziten betroffen

Barta: „Ohne spürbare Verbesserungen der Rahmenbedingungen droht der Verlust von weiterer industrieller Substanz“

Baden-Württemberg ist von der aktuellen Krise in der Metall- und Elektroindustrie (M+E) und von strukturellen Standortdefiziten nach Einschätzung der Unternehmen besonders stark betroffen. Zu diesem Ergebnis kommt die regionale Auswertung einer bundesweiten Umfrage der Metallarbeitgeberverbände.

 

Demnach schätzen die M+E-Firmen im Land nicht nur ihre aktuelle Lage schlechter ein als der Bundesdurchschnitt. Sie haben auch pessimistischere Erwartungen an das Gesamtjahr 2026 und rechnen in größerer Zahl mit einem weiteren Beschäftigungsabbau. „Die aktuellen Konjunkturdaten deuten ebenfalls nicht auf eine Wende hin“, sagte Oliver Barta, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, am Freitag in Stuttgart: „Wir haben ein veritables Kostenproblem hier am Standort. Unsere Unternehmen finden kaum noch ein funktionierendes Geschäftsmodell für die heimische Produktion, die Firmen investieren immer weniger im Land. Nun ist kluges und entschlossenes Handeln von Politik und Sozialpartnern gefragt, um dies zu ändern.“

 

Im Mai sind noch einmal knapp 2.000 Jobs in der M+E-Industrie im Land verlorengegangen. Seit dem Höchststand von 2019 summiert sich der Verlust damit auf rund 85.000 Arbeitsplätze. „Uns bereitet große Sorgen, dass sich bei uns eine signifikant schlechtere Entwicklung abzeichnet als im Rest der Republik“, sagte Barta. So rechnen in Baden-Württemberg genau 50 Prozent der Firmen mit einer sinkenden Beschäftigung – gegenüber 41 Prozent im Bundesdurchschnitt. Bei der Beurteilung der aktuellen Lage antworteten 48 Prozent der Südwestfirmen mit „schlecht“, gegenüber 42 Prozent bundesweit, für 2026 rechnen 35 Prozent mit einer schlechteren Entwicklung (Bund: 28 Prozent).

 

Rückschläge gab es im Mai auch bei der Produktion, die um 5,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat schrumpfte, und bei den Auftragseingängen, die um zwölf Prozent einbrachen. Hierbei dürfte es sich aber zum Teil um eine Korrektur von Sondereffekten im Vorjahr handeln, als sich die Aufträge in der Metallverarbeitung aufgrund einzelner Großaufträge mehr als verdoppelt hatten. Zudem plant in diesem Jahr knapp die Hälfte (48 Prozent) mit geringeren Investitionen als im Vorjahr (Bund: 42 Prozent). „Unsere Industrie steckt fest in einer strukturellen Krise, wir fahren bei der Produktion dem Spitzenniveau von 2018 immer noch gut 15 Prozent hinterher“, so der Südwestmetall-Hauptgeschäftsführer.

 

Nach belastenden Standortfaktoren gefragt, nennen die baden-württembergischen M+E-Unternehmen am häufigsten die Arbeitskosten (89 Prozent), gefolgt von Bürokratie und Regulierung (86 Prozent) und der Wirtschaftspolitik und Planungssicherheit (74 Prozent). Aber auch die Energiepreise und der Stand der Digitalisierung wird von mehr als der Hälfte negativ bewertet. „Diese Ergebnisse zeigen den dringenden Handlungsbedarf, an diesen Themen zu arbeiten“, sagte Barta. Er verwies darauf, dass inzwischen aus Baden-Württemberg heraus nicht mehr nur Produktion verlagert werde, sondern vermehrt auch weitere Glieder der Wertschöpfungskette wie IT, Programmierung, Marketing oder Forschung und Entwicklung: „Ohne schon bald spürbare Verbesserungen der Rahmenbedingungen droht der Verlust von weiterer industrieller Substanz.“

Zurück
Zurück