
Der Arbeitgeberverband Südwestmetall fordert die IG Metall dazu auf, in der Tarifrunde 2026 gemeinsam eine Lösung für die Zukunft des Industriestandortes Baden-Württemberg zu erarbeiten. „Es geht darum, die Weichen so zu stellen, dass sich Investitionen in industrielle Arbeitsplätze wirtschaftlich rechnen. Nur dann wird es gelingen, möglichst viele dieser Arbeitsplätze zu erhalten oder neue Arbeitsplätze aufzubauen“, sagte der Südwestmetall-Vorsitzende Peter S. Krause am Mittwoch nach der ersten Verhandlungsrunde für Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Der Austausch mit der Gewerkschaft über die immensen Herausforderungen sei zwar konstruktiv gewesen, trotzdem habe man noch einen sehr langen Weg zu gehen. „Die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen steht auf dem Spiel. Statt um Lohnerhöhungen muss es diesmal um wirkliche Entlastungen für die Firmen gehen“, betonte der Verhandlungsführer.
„Wir müssen die Kosten senken. Das steht völlig außer Frage“, sagte Krause unmissverständlich in Richtung Gewerkschaft. Kämen die Kostensenkungen nicht, drohe „ein deutlich verschärfter personeller Kahlschlag“ in der ohnehin krisengebeutelten Metall- und Elektroindustrie (M+E). Es gehe um den Erhalt der industriellen Struktur und damit um zehntausende Arbeitsplätze. Bundesweit sind in der Branche seit dem Höchststand 2019 bereits 350.000 Jobs verlorengegangen, davon knapp 100.000 in Baden-Württemberg. Der Grund: Aufgrund der hohen Kosten am Standort Deutschland wird hierzulande immer weniger investiert und produziert. Monat für Monat gehen 10.000 weitere Arbeitsplätze verloren.
„Die Forderung der Gewerkschaft nach 5 Prozent mehr Lohn ist vor diesem Hintergrund schlicht realitätsfremd und völlig überzogen“, betonte Krause. „Wir befinden uns in einer historisch einmaligen Krisensituation. Wenn wir die Kosten nun noch weiter nach oben treiben, wird sich der Verlust industrieller Substanz im Land immer weiter beschleunigen“, sagte Krause im Anschluss an die ersten Tarifgespräche in Ludwigsburg. „Wir brauchen eine spürbare Entlastung – ohne Wenn und Aber.“
Bundesweit 25 Prozent aller M+E-Firmen haben für das Jahr 2025 rote Zahlen gemeldet und weitere 21 Prozent eine magere Nettoumsatzrendite von lediglich bis zu 2 Prozent. „Natürlich liegt das nicht nur an den Personalkosten. Diese sind aber einer von mehreren Bausteinen, die die Ertragskraft der Unternehmen beeinflussen. Es muss uns gelingen, dass unsere Unternehmen hier wieder wettbewerbsfähig produzieren können“, stellte der Südwestmetall-Vorsitzende klar. Ziel müsse es sein, Lösungskorridore für Kostensenkungen zu schaffen. „Wir beide, Gewerkschaft und Arbeitgeber, müssen jetzt zeigen, dass wir als Tarifvertragsparteien gemeinsam handlungsfähig sind“, appellierte Krause.
Der Südwesten ist von der aktuellen Krise in der Metall- und Elektroindustrie und von strukturellen Standortdefiziten besonders stark betroffen. Im Juli 2026 waren in der Branche in Baden-Württemberg noch 914.000 Menschen beschäftigt. Das sind rund 95.000 weniger als auf dem Höchststand 2019. 50 Prozent der Unternehmen im Südwesten rechnen mit einer weiter sinkenden Beschäftigung. Nach belastenden Standortfaktoren gefragt, nennen die baden-württembergischen M+E-Firmen am häufigsten die Arbeitskosten (89 Prozent), gefolgt von Bürokratie und Regulierung (86 Prozent) und der Wirtschaftspolitik und Planungssicherheit (74 Prozent).
Die nächste Verhandlung findet in der letzten Oktoberwoche statt.